Blogparade #meineGeburtohneHebamme

Ein Thema, das mich auch kalt erwischte. Bei der Geburt von Portiönchen 1 lebte ich noch in Stuttgart. Da gibt es (oh Wunder) noch eine Beleghebammenklinik. Nur war klar, das ich erstens in Heilbronn und aus gesundheitlichen Gründen von Portiönchen in einer Klinik mit Kinderintensiv entbinden, sollte/wollte. 

So im 4. Monat fragte eine Kollegin, ob ich eine Hebamme hätte. Ich schaute verblüfft. Und sagte, im 4. Monat, nein. Sie prophezeite mir Probleme und behielt recht. Ich weiß nicht mehr wieviele Hebammen ich abtelefoniert habe. Viele. Also, begann ich mit der Hebammenlosen Planung. Geburtsvorbereitungskurs im Haus der Familie. Nachsorge in der Klinik. Stillprobleme ins Stillkaffee, ebenfalls Klinik. Allerdings nur einmal die Woche. 

Bei einer Vorsorgeuntersuchung in der Klinik, erzählte ich der Ärztin von meinem Problem, und sie vermittelte mir eine in der Klinik angestellte Hebamme. Nicht unbedingt die Wahlfreiheit, die Frau sich wünscht. Aber …. dank Frau Ludmilla Ziegler, das Beste was mir und meinem Mann passieren konnte. Ich bin sehr pragmatisch und brauchte eine pragmatische, resolute Hebamme, die die etwas afrikanisch traditionellen Ansichten zur Säuglingspflege von Papa Doppelte Portion akzeptieren kann. Und bekam eine Hebamme, die in Russland ausgebildet, dort eigentlich nomadische, zwangsangesiedelte Volksgruppen betreut hatte. Bingo …..

Was wäre ohne sie passiert? Ich hätte viel mehr mit dem Sodbrennen gekämpft, hätte keine Akupunktur erhalten, wäre mit den Stillproblemen alleine dagestanden, hätte viel mehr Geld ausgegeben (hätte die Milchpumpe und Waage vielleicht gekauft), mein Sohn hätte keinen so schönen Nabel jetzt, mein Mann wäre viel länger nervös gewesen, wir hätten mehr gestritten. Sie hat sogar die Wohnung umgestellt, und hatte recht. 

Der Kreissaal ohne das Hebammenteam, da hätte sich erstmal 2 Stunden keiner um mich gekümmert, ohne Hebamme. Die Ärzte hatten (weil 22Uhr) erst Übergabe und dann Notsectio in der Nachtbesetzung. Es war brechend voll, alle Räume besetzt. 22 Geburten am Vortag, ich Nr. 1 um 1.36 Uhr von Neuen Tag. Es hätte 2 Stunden keiner den Muttermund getastet, wenn sich nicht irgendwann eine Hebamme erbarmt hätte. Da war ich schon am CTG gewesen, und veratmete fleisig Wehen im Flur. Mein Mann schon fast am durchdrehen. Nach dem Tasten, Ernüchterung, 1 cm und Schmerzen wie Tier. Das dauert bis Morgen früh. Dann machte diese Hebamme Feierabend. Die Neue kam, sah mich an und organisierte ein Bett. Immer noch auf dem Flur. Immer noch keinen Arzt gesehen. Sie machte der Putzfrau Beine, den frei gewordenen Kreissaal sauber zu bekommen. Und schon setzten die Presswehen ein. Muttermund zu, Bauch nicht gesenkt, Fruchtblase intakt. Ich am durchdrehen. Zum Glück war die Hebamme ein erfahrenes Model, sie blieb super ruhig. Der Muttermund öffnete sich 8 cm in nicht ganz einer Stunde, die Blase mußte eröffnet werden, weil das CTG nicht mehr ableitete. Dann gings ganz schnell. Und dann, der große Unterschied zur zweiten Geburt, ein Griff Mutterkuchen ect. raus, schnell nähen, keine irgendwelchen Untersuchungen. Gut wickeln, Baby zur Mama und wir hatten unser Familienglück für uns, in Ruhe alleine. Die Hebamme kam nur dann und wann, und schaute nach uns. Schmunzelte über den erschöpft eingeschlafen Papa. 

Alles in allem, von 21 Uhr erste Rückenschmerzen bis 1,36 Uhr erster Schrei, eine schnelle und fast Arztfrei Angelegenheit. 

Ganz anders Geburt Portiönchen 2, selbe Klink aber halt 10 Uhr morgens. Ärzte im Überschuss. Ohne Wehen in die Klinik, weil morgens Blut kam. Fruchtwasser schon etwas knapp, Blase intakt, Muttermund auf 3 cm. Tenor, sie können noch mal heim. Bis der sehr nette, junge Arzt in Ausbildung alles getestet hatte und die diensthabende Oberärztin alles nochmal kontrolliert, hatten sie es geschafft die Wehen auszulösen. Direkt 3 Minuten Takt. 3 mal Wehe veratmet bis Blut abgenommen war. Hab mich geweigert heim zu gehen. Ok, dann gehen sie sich anmelden und besorgen sich ein Bett auf der VorGeburtStation. Mein Mann hat mich alleine angemeldet, ich hab auf halbem Weg umgedreht. Enthusiastisch hatte ich die Treppe genommen, untem im Flur konnte ich kaum noch stehen. 

Wieder an der Kreissaal Tür geklingelt, erste Hebamme des Tages, sieht mich und packt mich direkt auf ein Gebärbett, nichts mit Umziehen oder nochmal Toilette. Raus aus der Leggin, rauf auf das Bett, Gitter hoch zum Festhalten. 56 Minuten später war Portiönchen 2 da. 

Und wieder Ärzte, 3 an der Zahl. Der nette Junge muss nähen und betäuben üben. Mir ist ja klar, das irgendwie geübt werden muss. Er gibt sich Mühe. Aber ist langsam, die ältere Ärztin, auch sehr nett (zuerst für eine Hebamme gehalten), weißt ihn an. Dieses Mal eine wirklich unangenehme Prozedur mit der Plazenta und den Eihäuten. Und eine Rektale Untersuchung? Alles zieht sich ewig, ist unangenehm bis schmerzhaft. Ich bin müde und will nicht mehr. Bekomm den großen Frust. Die Hebamme hält meine Hand und tröstet. Mein Mann hält das Baby. Nach ca. 20 Minuten läßt die Oberärztin ein gewaschenes Donnerwetter los. Dem Jungen schlottern die Knie, die ältere Ärztin übernimmt und bringt es fix, aber vor Wut dampfen, zu Ende. Mein Mann, die Hebamme und ich gucken verblüfft. Dann endlich, die ersehnte Ruhe mit meinem Baby. 

Zu viele Ärzte sind echt nichts. Zum Glück gibts auf der Wöchnerinnen Station fast ausschließlich Hebammen. Als „erfahrene“ Zweitgebärende, geht man im Zeitdruck eh etwas unter. Was vor allem für meine Bettnachbarin schlimm war. Ihre erste Geburt lag 10 Jahre zurück, war eine Sectio und Stillen hatte gar nicht geklappt. Der Stress und Personalmangel führte dazu, das sie übersehen wurde und ihr keiner sagte, das sie statt Cola besser Stilltee drinken sollte. Obwohl ich ihre Colasucht verstehen konnte, das Essen und der Kaffee waren unter aller Kanone. 

Mein Mann brachte mir, nach nigerianischer Manier, Vitamalz. Das macht Milch. 

Wieder von Frau Ziegler in der Nachsorge betreut, haben wir die Arme diesemal kaum gestresst. Sie ist immer im Tiefflug. Aber es ist ein sicheres Gefühl, zu wissen, ich kann sie anrufen falls Milchstau oder so was. 

Ich hab so ein leichtes Grauen, wenn ich mir vorstelle, daß statt der Hebammen der unsichere Junge und die bissige Oberärztin die Geburt ganz betreut hätten. Bei Geburt 1 war die Ärztin echt nett und auch lange mit im Saal, sie kam halt erst nach der Sectio dazu,  das wäre ok gewesen. Aber das Ärzte Team von Geburt 2 gewinnt keinen Blumentopf. Die ältere Ärztin alleine wäre vielleicht ok gewesen. Zum Glück gibts noch Hebammen. 

Aber Jammern auf hohem Niveau, tun sie sicher nicht. Wahlfreiheit hat eine Schwangere kaum noch, und auch die Kliniken stehen unter starken Druck.  Und Gleichberechtigung hin oder her, es hat schon einen guten Grund warum Hebamme ein Frauenberuf ist. Und er sollte entsprechend Honoriert werden. 

http://perlenmama.de/2017/03/22/meine-geburt-ohne-hebamme-aufruf-zur-blogparade-ohnehebamme/

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