Weil es schon länger nichts mehr kulinarisches gab hier – Okra Stew

Okra-Schoten kennt ihr vielleicht vom Inder. Als nigerianisches Stew ist es etwas gewöhnungsbedürftig, den es zieht ordentlich Fäden.

Es ist das Lieblingsessen von Papa Doppelte Portion. Er nennt es Veggi-Soup. Obwohl es alles andere ist, als Vegetarisch.

Für ihn am liebsten mit Fisch.

Ich koche es normalerweise mit Ziegenfleisch.

Also, das Fleisch oder den Fisch kurz mit Salz vorkochen.

Da ich ein Faulpelz bin, schmeiße ich meine gewaschenen und entstielten Okras einfach in den Mixer (mein Lieblingsküchenutensil). Drei Hände voll Oktras reichen gut für 4 Portionen. Wer keinen Mixer hat, der schneidert Scheiben, tut sie in einem Gefrierbeutel und packt sie 30 Minuten in den Tiefkühler. Dann mit dem Wellholz oder einem Kartoffelstampfer schön klein hauen. (Dieses Essen tut der Seele gut)

Eine Zwiebel klein schneiden oder mit mixen.

Jetzt die Flüssigkeit vom Fleisch/Fisch abgießen und aufheben. Fleisch etwas mit Öl anbraten. Fisch am besten ganz raus nehmen, damit er nicht völlig verkocht, etwas Öl in den Topf.

Einfach den Orkra-Brei auf das Fleisch/ leeren Topf kippen. Mit etwas (wirklich wenig) des Kochwassers auf kleiner Flamme köcheln lassen.

Einem Brühwürfel, geschrotete afrikanische Pepe oder eine bisschen Frische, und viel von dem unvermeidlichen gemahlenen Greyfish.

Ihr kennt das ja, eigentlich ist es sehr scharf 🌶, aber übertreibt es nicht.

Jetzt noch einige Würfel grob gehackten TK-Spinat oder gehackten frischen Spinat dazugeben.

Das ganze kochen bis es schaumt und die Okras ihre Form verlieren. Die Farbe wird etwas dunkler und der Geruch nach rohem Grünzeug sollte weg sein.

Zum Schluss ggf. den Fisch mit reingeben.

Gegessen wird es mit festem Grieß.

Für den Anfang braucht ihr nicht so viel Soße kochen. Den mit Grießbällen größere Mengen klebriger Soße zu essen, erfordert Übung. Die Soße springt gerne zurück in den Teller.

Aber überwindet euch, es lohnt sich. Ist echt lecker 😋.

Jetzt hab ich Hunger

Mama Doppelte Portion

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Ein fragiles Gedankenmodel

 

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Was bedeutet Gleichberechtigung für mich ganz persönlich.

Sicher ist da auch die Generation und das Elternhaus, dem man entstammt ein nicht unwichtiger Faktor.

Ich bin Jahrgang 79. Da sind „die wilden 70er“ am versterben, auf dem deutschen Dorf waren sie aber ja eh nicht so angekommen. Allerdings hatte es natürlich bestimmte Auswirkungen, Frau trug nicht unbedingt BH und rasierte sich nicht die Axeln, die Männerhosen hatten moderaten Schlag und das Kinderzubehör war frei von Gender-Zugeordneten Farben. Meistens war es organ (sehr beliebt) oder grün. 

Mein Kinderzimmer war ein Starrkrampf verursachendes Eldorado aus verschiedenen Orangtönen und dunkelgrünen Holzimitat Möbeln. Rosa war da nichts …..

Meine Eltern lebten das klassische System, sie 10 Jahre Vollzeit Hausfrau, dann 50% Teilzeit bis zur Erwerbsunfähigkeitsrente (leider schlimmes Rheuma). Er, der Ernährer. Oma mit im Haus, Eigenheim und Schrebergarten. So viel zu den äußeren Umständen.                                                   
Und sie sind der schlagende Beweis, das Arbeitsmodel sagt nichts über die Gleichberechtigung oder Gleichwertigkeit aus. 

Meine Eltern haben die Erwerbsarbeit fürs Geld, die Hausarbeit, die Fürsorge fürs Kind, die Gartenarbeit und die Vereinsarbeit (die ganz schön ausartete) immer als die Summe, der zu erledigenden Dinge gesehen. Nun muss man das möglichst wirkungsvoll, zeitsparend und stressfrei organisieren. Jeder, was er am besten kann. 

Meine Mama ist sehr zierlich und mein Dad ein Gentleman der alten Schule, er hätte ihr nie etwas körperlich sehr schweres zugemutet. Auch wenn es eine Hausarbeit ist. So gab es bei uns immer eine klare Aufgabenteilung, die wenig mit dem Geschlecht zu tun hatte, sondern mehr mit Körperkraft. So hängte mein Vater die Gardinen ab und nass wieder auf, staubsaugte und wischte und rückte dafür die Möbel, kochte Obst ein und entsaftete Johannisbeeren. Meine Mama bügelte, kochte und verwaltete alles Geld. Es gab feste Tage für die Wäsche und den Wohnungsputz und das Wochenende war frei, keine Hausarbeit für niemand. Gekocht wurde gemeinsam. Ich habe meine Eltern immer als reibungslos funktionierende Einheit wahrgenommen. Heute ist meine Mama sehr eingeschränkt, und mein Vater schmeißt oft fast alleine einen perfekten Haushalt (einen etwas männlichen Haushalt, kaum Deko, nur an die Wand schraubbare und Haushaltsgeräte, die eher an Werkzeuge erinnern).

Als es zum Thema Ausbildung kam, sagte mein Dad zu mir, lern etwas bei dem du genug verdienst. Du sollst deinen Partner wollen, nicht brauchen. 

                            Und ich glaube, das war der Grundsatz nach dem er mich erzog. Ich sollte nie in eine Abhängigkeit geraten. Eine Ausbildung mit Gehalt, dass zum Leben reicht und ggf. auch alleine Kinder durchfüttert. Eine umfassende Ausbildung (im Lehrbetrieb Papa) in Möbel aufbauen, tapezieren, Kabel verlegen, Reifen wechseln, Tomaten anbauen, Einwecken und Obstbäume schneiden. *Ich hab den Gesellenbrief immer noch nicht, die Ausbildung dauert an*

Und das war dann wohl auch der Grund, warum ich nie auch nur auf die Idee kam, da könnte ein Unterschied oder gar eine Klassifizierung zwischen Frau und Mann sein. Wir sind Atheisten, folglich brachte auch kein Unterricht im alten Testament, diese Idee hier auf.

Nun, sie lehrten mich das alle Menschen gleich sind, egal welchen Geschlechts oder welcher Nationalität.

Das Ergebnis hat sie dann wohl etwas erstaunt. Als ich mir als ersten Ehemann einen schwarzafrikanischen Muslim aussuchte, der nichtmal annähernd als Ernährer durchging. Ein Muslim??? Und nein, ich wurde nicht zur Hausfrau und Mutter gemacht. Erstens haben wir keine gemeinsamen Kinder und zweitens hat er super gekocht und auch geputzt. Manchmal hatte er, gerade außerhalb des Hauses, so Plattitüden drauf. Das der Mann, der Kapitän der Familie sei und so. Ich verdrehte die Augen und ließ ihn. Weil es da eine starke Diskrepanz zwischen seiner Außendarstellung und der Realität gab. Weil er nämlich nichts alleine entschied und die Wohnung mir gehörte.

Die Ehe ging trotzdem grandios den Bach runter. Was wohl hauptsächlich an seinem Post Traumatischen Belastungs Syndrom lag. Er schwankte zwischen Depressionen und überschießender Euphorie. Im Stundentakt. Und er lief weg vor den Problemen. Das hatte einmal, bei seiner Flucht aus dem Blutdiamantenkrieg, gut funktioniert, also war das sein Weg der Problemlösung. Stress im Job, weglaufen – arbeitslos. Stress in der Beziehung, weglaufen – andere Frau…… 
Und da war mein Punkt auf „no return“ erreicht. Diese „auf der anderen Seite des Zauns, ist das Grass grüner“ Masche und dann „geläutert“ wieder ankriechen. Das ging gar nicht.

Als die Scheidung anlief, kam es zu den üblichen Sätzen. War ja klar das er untreu ist, er ist Muslim. War ja klar, das du das nicht aushältst, so ein patriarchischer Macho. Und … alles falsch. Viel zu kurz gesprungen, viel zu simpel und vereinfacht.
Mal ehrlich, so platt und eindimensional ist doch wohl kein menschlicher Charakter.

Als ich Papa doppelte Portion kennen lernte, war ich reichlich angepisst von Männern. Und er bekam die volle Breitseite von „du kannst mich mal“ ab.

Er hat es ausgehalten. Und heute haben wir einen gemeinsamen Haushalt und zwei wilde, fordernde Kleinkinder. 👨‍👩‍👦‍👦

Was bedeutet nun Gleichberechtigung für mich in der Praxis. Ich liebe meinen Job und will nicht für lange ganz aufhören. Ich will die beruflich Anerkennung und die finanzielle Selbstbestimmung. Die eigene, gute Rente ist auch ein mir wichtiger Punkt. Papa mag seinen Job auch (den aktuellen Arbeitgeber nicht so) und eigenes Geld, klar für ihn auch wichtig. Trotzdem hat er angeboten, den Vollzeit Daddy zu geben, sollten wir bis zum Herbst keine adäquate Kinderbetreuung organisiert bekommen. Unsere Entscheidung für erstmal Vollzeitmutti, dann Vollzeit Daddy bzw. beide Teilzeit, ist eine 100% der finanziellen Gegebenheiten und der äußeren Möglichkeiten geschuldete Entscheidung. Ich hab einfach mehr Elterngeld bekommen, er musste erst hier in Deutschland Fuss fassen, beruflich und hätte da noch kein anerkannter Führerschein und keine Deutsch Kenntnisse hatte, viel organisatorisches nicht alleine erledigen können. Zudem wollte ich stillen. Und wieder sagte dieses Model, nichts über unsere private Aufgabenteilung aus. Ich hasse Hausarbeit, sie ist ein notwendiges Übel. Und viel bleibt an meinem Mann hängen. Ich koche und Backe, ja. Aber er wäscht seine Wäsche zum Beispiel selbst, da er sich nicht von afrikanischen Gepflogenheiten trennen kann, und ich gaaaaanz bestimmt nicht von Hand wasche. Er kocht auch häufig, weil er gerne Fisch ißt, und ich das nicht riechen kann. Ich hab seid Monaten keinen Staubsauger in der Hand gehabt. Dafür bekommt er keine streifenfreien Fenster hin. 

Er ist ein hingebungsvoller Papa. Er kann alles was ich auch kann. Und tut es auch. Wickeln, baden, füttern, Fieber messen. Als der Große den Norovirus hatte, hat er sich die ganze Nacht als Matratze hergegeben und auch 5 mal Vollkotzen lassen. Hat um 3 in der Nacht, das völlig versaute Kind gebadet und am nächsten Tag auch noch mich gepflegt. Seinem afrikanischen Magen kam das Virus nicht bei. Er steht oft um 3 in der Früh auf und hütet eines oder auch beide Kinder, damit ich noch schlafen kann. Ich bin eine Eule und er eine Lerche, das passt gut. 

Für mich bedeutet Gleichberechtigung, gleiches Recht und gleiche Pflicht für alle. An der Finanzierung, an der Hausarbeit, an der Fürsorge für unsere Kinder. Aber halt auch gleiches Recht auf gute Spasszeit mit den Kids, gleiches Recht auf Auszeiten und Ausruhen, auf Abwechslung. Auf Work-Life-Balance (schönes Wort). Wir Frauen jammern so oft, Doppelbelastung, schlecht Jobchancen, einen Mann der daheim nichts tut, keine Anerkennung unserer Leistungen.

Ich muss wirklich eine Lanze für die Männer brechen. Mein Mann und mein Vater, akzeptieren klaglos das sie der Depp sind, der vom Schulabschluss bis zum bitteren Ende am Renteneintrittsalter, für die finanzielle Sicherheit zu sorgen hat. Ohne Auszeit, ohne Abwechslung, ohne Alternative. Das hieß für die beiden, ab dem 14. Lebensjahr. Als Kinder bzw. Teenager.
Beide machen/machten ihren Anteil an der Hausarbeit und kümmern sich um die Kinder oder jetzt Enkel. Zudem machen sie ganz selbstverständlich noch die „männlichen Aufgaben“ wie Rasen mähen und Reifen wechseln, ohne ihre Zuständigkeit je anzuzweifeln. Und haben sie eine Lobby? Fragt jemand, wie sie sich fühlen, als Partner der modernen Frau. Die, wie ich, ganz selbstverständlich einfordert, daß Mann putzt und kocht und Kinder hütet.

Nein, haben sie nämlich nicht. Da heißt es noch, jammer nicht, ist unmännlich. Bist du doch das starke Geschlecht, schaffst du schon.

                                                            Und das ist für mich der springende Punkt der Gleichberechtigung. Wenn ich das fair angehe, nicht nur mich sondern auch meinen Partner sehe. Dann ergeben sich andere Optionen und auch anderer Handlungsbedarf in der Gesellschaft. Ich will gerne problemlos Arbeiten gehen, dass heißt nicht nur mein Arbeitgeber muss mutterfreundliche Bedingungen schaffen. Auch der Arbeitgeber meines Mannes, und da hapert es im Handwerk sehr, muss vaterfreundliche Bedingungen schaffen. Das auch typische „Männerberufe“ Teilzeit, Gleitzeit, Babypause und Kind krank Tage ganz selbstverständlich hinnehmen. Da heißt es für die Arbeitgeber, geteiltes Leid gleich halbes Leid. Und für die Eltern geteilte Fürsorge gleich doppeltes Glück. Die meisten Daddys möchten doch heute mehr sein als Wochenendbespasser, Erzeuger und der, der am Abendbrottisch nach den Noten fragt. Sie wollen eine echte Bindung, sie wollen Bezugsperson sein und das ihre Kinder mit Kummer auch zu Papa kommen. Dafür brauchen sie aber auch Zeit und Alltag mit den Kindern. Und das ist ein Gebiet, das wir Mütter auch ganz bewusst räumen müssen, den das belegen wir traditionell und emotional komplett. Wir fühlen uns ja auch als Mutter schlecht, wenn das weinende Kind mit offenen Knien zum Papa rennt, statt zur Mama. Das tut mein Großer oft, weil mein Mann ist so eine Glucke. Das heißt aber halt auch, unter Umständen sehr früh wieder Arbeiten für die Frau, um dem Papa diese Zeit zu gönnen. Genau gönnen, den natürlich jammern wir Frauen, aber wir genießen und lieben diese Zeit mit unseren Kindern auch. Toll wäre es, wenn es einfach mehr Zeit für die Eltern und Kinder geben würde. So das man das Abenteuer Elternschaft und Kindheit einfach viel ausgiebiger erleben kann. 
Wenn ich jetzt meinem Partner ganz bewusst manche Aufgaben übertrage, auch die, die ich selbst gerne mache, dann ergeben sich für mich auch neue Optionen und Freiräume. Wenn ich seine Aufgaben zum Teil übernehme, wie das finanzielle Absichern und das Reifen wechseln, dann bekomme ich doch auch meine berufliche Chance, meine Abwechslung und vielleicht auch Anerkennung. Und Lob vom Reifenhändler.

Alleinerziehende müssen doch auch alles gebacken bekommen, und das mit zwei Händen weniger.

Gleichberechtigung heißt Recht, aber auch Pflicht. Nicht nur die Rosinen haben wollen. Wer keinen Patriarchen haben will, darf auch nicht auf einen Ernährer pochen. Wer einen Daddy und Mann mit Zeit will, kann keinen Großverdiener auf der Karriereleiter haben, denn auch sein Tag hat nur 24 Stunden.

Um so mehr Familien diese Flexibilität für sich einfordern, um so mehr muss sich die Arbeitswelt, die Gesellschaft und der Gesetzgeber auch darauf einstellen und um so besser und gleicher verteilen sich die Möglichkeiten.

Hört endlich mit diesen Grabenkämpfen auf, ein Mann der seine Frau unterstützt ist kein Mann, der auf feministischer Seite kämpft. Er kämpft für Gleichberechtigung, auch für seine. Sein Recht auf seine Zeit mit den Kindern und ein bisschen Abwechslung von der kapitalistischen Tretmühle. Sein Recht auf emotionale Bindung an seine Kinder. Und dabei vertritt er automatisch die Rechte der Frau. Wenn wir das endlich als Gemeinschaftsprojekt statt als Kampf um Pfründe sehen, dann wird es vielleicht endlich was. Das Projekt Ziel heißt nicht Emanzipation (was nur Frei machen bedeutet, nicht vom Man(n)) oder Gleichberechtigung der Frau, es heißt ein gutes und erfülltes Leben für alle Beteiligten.

Und bevor jetzt wieder ein paar Überzeugungsmuttis schreien, das frühe Fremdbetreuung nicht gut ist fürs Kind. Das mag sein. Aber das heißt im Umkehrschluss nicht Vollzeitmama. Das kann auch Vollzeitpapa heißen oder halbe/halbe. Und ich finde schon, das diese „Ich bin Vollzeitmutti, weil das das einzig Gute fürs Kind ist“ – Frauen, der weiblichen Sache nicht gut tun, denn sie schließen die Option „Da ist ein toller Daddy“ von vorne herein aus. Und machen es Männern, die eben das sind, sehr schwer. Wenn ein Mann, am Montag Vormittag auf dem Spielplatz, immer noch Seltenheitswert hat und von den Muttis beäugt, bewertet und betuschelt wird, oder noch schlimmer beklatsch und gelobt, dann ist es doch kein Wunder. Wir sind doch keinen Deut besser. Man kann ja bindungsorientiertes Attachment Parenting mit veggi Dinkelkeksen und Kindergarten bzw. Schulfrei praktizieren, nur wo steht eigentlich, daß das ein Frauenjob ist.

Also, in diesem Sinne. Geteiltes Leid ist halbes Leid und geteiltes Glück verdoppelt sich.

Achtet mehr aufeinander, hört einander zu, nehmt euch gegenseitig wichtig. Dann kann es werden.

Gruß 
Mama Doppelte Portion

Außerhalb der Blase

IMG_4804Gerade ist das Wort Informations Blase ja in aller Munde. Dabei haben wir viel mehr Realitätsblasen.

Ich liege in unserem Familienbett, links und rechts je ein schlafendes Kind. Und mein Kopf brummt, zu viel Nachrichten geschaut. Die Welt dreht durch, und in diese Welt, in diese Zukunft, hab ich meine Jungs gesetzt.

Mich beschleicht, nicht ganz so leise Angst. Das Muttertier in mir trippelt nervös. Ich hatte eine tolle Kindheit, mit Urlaub, Musikunterricht, Freunden, Verein, intaktem Elternhaus, Wohneigentum und Finanzieller Sicherheit. Und genau das sollen meine Jungs auch haben.

Und jetzt wird es bedenklich. Ich war das deutsche Kind, deutscher Eltern in einem deutschen Dorf. Sie sind überzeugte Demokraten, Gewerkschafter und Sozialisten. Doch, bis auf ein paar Arbeitskämpfe mit der Gewerkschaft und ein paar Demos gegen Atomkraft und Pirshing, lebten wir doch in einer „heilen Welt Blase“. In einer ziemlich rein deutschen Blase. Den es gab zwar Italiener, Türken und Portugiesen im Dorf. Doch die lebten im alten Ortskern, hier draußen im damaligen Neubaugebiet, gabs nur junge deutsche Familien. In meiner Klasse waren es, all die Jahre, maximal 3 Kinder mit Migrationshintergund. Und alle waren schon hier geboren.

Jetzt leben wir schon wegen der ganz privaten Situation außerhalb der Blase, den Papa Doppelte Portion hatte ja keine schützende Kindheitsblase. Er kannte Hunger, Armut, Ausbeutung und Schutzlosigkeit. Und so sehr ich es mir wünsche, werden unsere Söhne auch nie so eine perfekte Schutzblase haben, wie ich. Den ich kann sie nicht beschützen, vor dem Trollkind, das sie vielleicht mal wegen ihrer Hautfarbe angeht. Vor den kaum verhohlenen Blicken, der ewig Rechten. Davor, daß sie vielleicht mal irgendwo nicht erwünscht sind, weil sie sind was sie sind.

Ich kann sie nicht schützen, wenn sie als junge Männer öfters von der Polizei kontrolliert werden, weil sie optisch ein Nafri sein könnten. Ich kann sie nicht schützen, vor einem Europa und Deutschland, daß vielleicht ungemütlich wird. Nicht vor der Klimaerwärmung, dem Wassermangel, dem Ende des Rohöls, den überfischen Meeren, der dicken Luft und den Deppen von Politikern, die das alles abstreiten. Nicht beschützen vor einer Welt, in der die Diktaturen zunehmen, und die Demokratien sterben. Einer Welt, in der die Arm-Reich-Schere maximal geöffnet ist, und die Schnurr gerade auf die Katastrophe zusteuert.

Mit etwas Glück und viel Arbeit, können sie in einer intakten Familie mit finanzieller Sicherheit aufwachsen.

Aus Scherz, hab ich gestern Abend, zu Papa Doppelte Portion gesagt:“ Wir sollten ein größeres Haus, daß infrastrukturell unabhängig ist, in Nigeria bauen. Für den Fall, das wir oder die Jungs irgendwann nichtmehr hier leben möchten.“ Es war meine Reaktion auf eine Nachrichtenmeldung über die AfD.

Aber jetzt, so im Dunkel unseres Schlafzimmers, frag ich mich. Ob wir nicht genau das besser tun sollten, in Nigeria ein Haus bauen, in dem wir auch länger als nur 3 Wochen Urlaub, leben könnten/wollten. Das die Kinder besser in eine bilinguale Schule gehen sollten, die vielleicht auch einen Highschool Abschluss anbietet. Das ich vielleicht doch nochmal einen Englischkurs für Arbeitnehmer besuchen sollte.

Wahrscheinlich ist es ein bisschen paranoid. Und sicher kann man sich auch heute noch „seine heile Welt“ Blase schaffen. So als deutsche Familie im deutschen Dorf. Aber für viele besteht diese Möglichkeit gar nicht. Und ich mach mir Sorgen um meine Jungs.

Eigentlich ist es ja ein Wunder, das Papa Doppelte Portion so ist wie er ist, bei der Kindheit. Und eigentlich ist es ein Wunder, das so viele der Flüchtlinge so nette Menschen sind. Wie kommen wir eigentlich auf die Idee, das diese Menschen reibungslos funktionieren können. Menschen, die ohne Heimat in unserer Leistungsgesellschaft gestrandet sind. Deren Blase von Bomben, Patronen und Krieg zerstört wurde. Oder Menschen, die nie eine Blase hatten, weil das Leben nur Armut, Hunger und Angst bedeutete. Wie können wir da psychische und mentale Gesundheit und Leistungsfähigkeit voraussetzen. Es ist ein Wunder das nicht alle eine PTBS haben.

Den Text oben, hab ich schon vor ein paar Wochen geschrieben. Und ihn dann in die Warteschleife gehängt. Er kam mir so pessimistisch, so Weltuntergangsstimmung mässig vor. So gar nicht ich.
Heute hab ich jetzt entschieden, ihn zu veröffentlichen. Weil er zu meiner Stimmung passt. In letzter Zeit, hab ich nichts gepostet. Den vor ca. 3 Wochen platzte der Rest meiner eigenen Realitätsblase und damit auch das, was ich für meine Kinder haben wollte.
Diese 3 Wochen habe ich überlegt, ob ich diese Tatsache meines/unseres Lebens hier erzählen möchte. Den ob ich den üblichen lockeren Ton treffen kann, wage ich zu bezweifeln.
Kurz und Bündig, ich habe Anfang des Monats die Diagnose Brustkrebs erhalten. Ein Trible-Negativ Tumor (für die, die sich näher damit befassen mussten).
Noch ist nicht viel passiert. Ich wurde durchleuchtet und zig mal mit Nadeln gepickst. Mehr Leute, als in meinem ganzen Leben, haben meinen Busen betatscht und begutachtet. Morgen wird mir nun der Therapieplan mitgeteilt.
Die Haare hab ich schon mal schneiden lassen. Meinen Eltern geht es nicht so toll, sie haben Angst. Papa Doppelte Portion übt sich in Zuversicht. Ich bin nervös, reizbar und immer nur 2 mm vom Nervenzusammenbruch entfernt. Sonst hat sich noch nichts geändert.
Der Familienblog wird nun wohl auch mein Krebsblog werden. Und wie üblich, ohne Politik geht bei mir gar nichts. Jetzt kommt ausser dem Ausländeramt auch noch die Krankenkasse, Versicherungen und das Bürgeramt ins Schussfeld.
Und vielleicht auch das Standesamt, mal sehen.
Liebe Grüße
Mama Doppelte Portion

Weltpolitik, Ziegenfleischsuppe und Kuscheleinheiten


Es wird ja den Müttern von heute (besonders den Bloggern) ks schon des öfteren mal vorgeworfen so unpolitisch zu sein. Sich in das traditionelle Rollenbild und die heile Welt zurückzuziehen. 

Gemäß der familären Umstände hier, klappt das bei uns nicht soganz. Erstens bin ich viel zu politisch, schon immer. Zweitens klopft die Politik hier an die Tür und tritt auch gleich ein, ob man will oder nicht. Und drittens kann man sich das nur leisten, wenn der Partner den Rest erledigt. 

Ich hätte es mir sicher leichter machen können (vielleicht, sicher ist nie was), mit einem Partner, der in Deutschland zumindest aufgewachsen ist. Vielleicht bereitet mir das bei der Rente später auch noch Kopfschmerzen. Aber ich war nie der Meinung einen „Versorger“ haben zu müssen. Weder für mich, noch für meine Kinder. Deshalb war meine inner Frage beim positiven Schwangerschaftstest auch, willst und schaffst du das und nicht ein Gedankengang zu meiner Beziehung. 

Jetzt hat ja gestern der G20-Gipfel begonnen. Und pünktlich damit, wie schon seit Jahrzehnten, die Randale, Demos und mehr oder minder korrekten Polizeieinsätze. Neuer ist der Shitstorm im Netz. Jetzt bin ich eine bekennende linke Socke. Vielleicht auch ein Sozialromantiker. Aber …. jetzt bin ich auch Mutti. 

Heißt primär mal, das Rennen auf möglichst viele Demos ist gerade unterbunden. Aber auch hat sich meine Einstellung und mein Verhalten geändert.

Ich schau die Bilder der Demo an und frag mich, ob es was bringt. Die Randale schaden definitiv der gerechten Sache. Ich frag mich, ob andere Vorgehensweisen nicht sinnvoller wären. Und stelle fest, durch die Mutterschaft hat sich in meinem privaten Umfeld vieles geändert, auch wenn das große, auffällige Engagment jetzt flach fällt. 

Mein Kleiderschrank ist um zwei drittel geschrumpft, erstens pass ich eher nicht in meine alten Sachen, aber ich hab auch festgestellt, ich brauch gar nicht so viel. Es spart Platz und Zeit, weniger zu haben. Es entspannt. Es spart nicht unbedingt Geld, den die Kleider sind jetzt oft teurer, weil fair oder bio. Mein Putzmittelschrank besteht jetzt aus Essigessenz, Spiritus, Zittonrnsäure und Schmierseife. Das spart definitiv Geld und geht auch. Das war nichtmal eine bewusste ökologische Entscheidung, ich wollte einfach nicht so viel verdampfende Chemie, nahe an meinen Kindern. 

Das Essen hat sich hauptsächlich durch Papa Doppelte Portion geändert. Wir sind definitiv Fleischfresser. Allerdings mag unser Papa Schwein nicht so besonders. Auch unser gängiges Rind, Lamm und Geflügel ist nicht seins. Also, was kocht man dem Mann? Nach einigem Rumprobieren und Rumgefrage haben wir jetzt die Lösung. Und sie fühlt sich so gut an. Wir kaufen bei einem Biobauern, in der nächsten Stadt, eine ganze Ziege und ganzes Huhn. Die bekommt man dann mit Huffen, Kopf und Innereien. Zuerst stand ich etwas ratlos davor, doch inzwischen kann ich das. Und es wird alles verwendet. Wir kochen Suppe, die Innereien landen im Reis, Magen gibt scharfe Suppe und wer hätte das gedacht, das Fleisch im Huf ist echt gut. Ich fühl mich viel besser damit, ich weiß, wo unser Fleisch herkommt, das der Bauer die Tiere gut behandelt und fair dafür bezahlt wird, das keine ungewollten Reste nach Afrika verklappt werden, das es keine Antibiotika und Steroidverseuchte Massenzucht ist und wir dem Lebensmittel auch die ihm zukommende Achtung entgegenbringen. Ich lese keine Zeitung mehr auf Papier, wir sind eh alle online, also kein Grund Papier für Nachrichten zu verschwenden. Als Mutti geht man eh spazieren, dann kann man seine Einkäufe auch zu Fuss und regional tätigen. 

Man kann etwas zufriedener sein mit dem was man hat, dann kann man der Konsumfalle etwas entkommen. Und den Großkopfigen zeigen, was sie uns können. Die machen ihre Profite mit unsere Bequemlichkeit, unsere Ignoranz und unserer Dummheit. Und es wird uns wie ein Bumerang in die Magengrube treffen.

Den bei uns kommen die Flüchtlinge an und wollen ihre faire Teilhabe, unsere Gesellschaft wird aus Machtgier aufgehetzt und gespalten, eine Menge Steuergelder gehen als Entwicklungshilfe in korrupte Staaten, während wir dort gleichzeitig die Bauern verhungern lassen, für Billigbananen und Billigkaffee. Würden wir ihnen faire Preise zahlen, wäre das Geld in ihren Taschen und nicht in denen ihrer korrupten Politiker und Autokraten. 

Wenn ich abends meine beiden Jungs in den Schlaf begleitet habe und in der Küche aufräumen oder etwas vorbereite, dann bin ich oft traurig und fühl mich auch schuldig. Weil nicht alle kleinen Kinder dieser Welt überhaupt eine Mama haben, oder diese Mama nicht die zeitliche und finanzielle Möglichkeit hat, ihre Kinder in den Schlaf zu kuscheln. Weil nicht alle Kinder satt, sicher, warm und zufrieden in ihren Betten liegen. Weil nicht alle Eltern sich abends entspannt und müde, aber satt und sicher vor einen Fernseher hängen können. Weil nicht die größte Sorge aller Eltern ist, ob sie einen Familienurlaub finanzieren können. Gerade wieder in den Medien, jeder 5. in Deutschland ist so arm dran, er kann sich keine Woche Urlaub leisten. Mein Gott, wie schlimm. Aber immerhin stehen ihm die Urlaubstage zu und er träumt davon. Viele Menschen dieser Erde träumen von einem vollen Magen am nächsten Tag. Aber hier wird man Nazi, weil man sich keine Woche Mallorca leisten kann.  

Dann hab ich Angst, Angst um die Zukunft meiner Kinder mit dunklerer Haut. Angst um die Zukunft aller Kinder. Und dann folgt die Wut, Wut auf Menschen wie die AfDler, Trump, Erdowahn, Putin aber auch auf unsere machtbewusste SPD und Merkel. Die sehr wohl wissen was Richtig wäre, und es aus Angst vor dem Verlust nicht tun. Und uns offenen Auge ins Messer laufen lassen. Und Wut auf uns alle, weil wir nichts tun, in unserem Rahmen.

Deshalb auch dieser Text. Weil wir viele sind, weil wir der Konsument, der Endverbraucher sind. Weil wir die Macht haben, wenn wir sie uns nehmen.

Trump kann lange das Klimaabkommen aufkündigen, wenn wir uns Solarzellen aufs Dach machen, sparsame Autos fahren, die Öffis nutzen, den Strom von alternativen Anbietern beziehen, regional einkaufen, Müll sparen und Firmen, die sich daneben benehmen boykottieren. Was will er tun? Wenn wir lieber alle 3 Jahre einen richtigen, großen Urlaub mit sanftem Tourismus machen statt shopping im New York oder 1 Woche saufen auf Malle. Was wollen sie tun? Wenn wir lieber gut Freund mit unseren neuen syrischen Nachbarn sind. Was wollen die Rechtspopulisten tun? Was wenn wir lieber mit Samen der alternativen Anbieter Kleingärtner sind, als uns von Monsanto vergiften zu lassen? Was wenn wir lieber Blumen im Garten oder auf dem Balkon haben, statt Billigrosen aus Afrika? Was wenn wir lieber Fair einkaufen? Lieber der Alleinerziehenden helfen, statt sie zu verurteilen? Lieber hochwertige Holzmöbel kaufen statt jedem Trend hinterher rennen? Unsere Sachen benutzen bis sie kaputt sind, sie spenden oder Flohmarkten, statt ständig Up to Date zu sein? Was wenn wir Leitungswasser trinken statt Flaschenwasser von Nestle? Wenn wir statt unmöglicher Arbeitsverträge eine Mitgliedschaft bei der Gewerkschaft unterschreiben? Wenn keiner mehr Soldat wird oder einen Job in der Rüstungsindustrie annimmt? 

Was wollen sie tun, wenn der Bürger aufwacht und mündig handelt?

Denn Wir sind das Volk

Vielleicht sagt man uns, wir seien ja nur die Mama oder der Papa. Aber wir sind die, die der nächsten Generation, der Zukunft, etwas über Gerechtigkeit, Solidarität, Ökologie, Nachhaltigkeit, Humanismus, Verantwortlichkeit und Pazifismus beibringen. Nehmen wor unsere Change wahr. Machen wor die Welt besser, jeder in seinem Umfeld.
Den wir sind Viele und wir sind das Volk

Upset


Schaut euch das mal an. Hinter diesem Link verbirgt sich ein Rechenbeispiel der SPD zur Entlastung von Familien.

Und dieses Beispiel ist mir ja so sauer aufgestoßen. Es ist entweder von der CDU oder aus den 50igern. Glaubt die SPD, das sei die Lebensrealität ihrer Wähler?

Da kann der Gleichstellungsbeauftragte und die Gewerkschaft gleich in Rente gehen.

Das nervt mich echt an.

Schaut es euch mal an und kommentiert mir, was ihr so denkt.

Mama Doppelte Potion 

Gleichstellung und andere Identitätskrisen

Heut bin ich über einen schicken Artikel der BAMF gestolpert. Normalerweise lese ich die Artikel über Gleichstellung nicht, wir spüren es ja am eigene Leib. Doch die Überschrift zog mich an „Warum Cappuccino Mamas die Gleichstellung gefährden“.

Das machte mich neugierig, weil dieser fb Test immer behauptet, ich sei eine Cappuccino Mama. Also, warum bin ich gefährlich? Zu erstmal, bei dem Test bin ich nicht der Meinung eine dieser Mütter zu sein. Da heißt es nämlich, entspannt und top gestylt im Cafe sitzen. Erstens ist mir Styling meistens schnurz pieps, Fraktion Knuddeldutt, und zwar bin ich Kaffeesüchtig, den Kindern zu liebe aber in einer Waldschenke mit Spielplatz. 

Also, BAMF bezeichnet gut qualifizierte Frauen als Cappuccino Mamas, die sich mit der Geburt des ersten Kindes, in das klassische Hausfrau und Mutter Klische verabschieden und sagen, ja aber wir haben das selbst gewählt. Sie würde unbewusst einem Rollenbild folgen und sich praktisch selbstverleugnen.

In meinem Kopf überstürzen sich die Gedanken. Wie arrogant zu behaupten, die Frauen würden sich selbstverleugnen. Eigentlich heißt wirklich frei sein, doch die Wahl zu haben. Aber streckt man sich nicht doch nach der Decke? 

Bei uns, sind ja die Vorraussetzungen anders. Ich bin unser Besserverdiener, und ich erhalte damit natürlich deutlich mehr Elterngeld. Papa hätte nur den Minimalsatz bekommen. Also klar, ich bleib daheim. Zudem musste er ja erst mal im deutschen Arbeitsmarkt ankommen. Und mal ganz ehrlich, hätte ich denn arbeiten gehen wollen? Diese unglaublich Zeit verpassen? Um nichts in der Welt. Eigentlich wäre es toll , wenn auch Papa das haben könnte. 

Eigentlich hat er doch die A*Karte, als Handwerker wurde er schon schief angeschaut, als er die zwei Monate Windelvolentariat nahm. Was wäre passiert, wenn er jetzt hätte nur 3 Tage arbeiten wollen pro Woche? Elterngeld plus ist eine tolle Idee, aber in der männlichen Arbeitswelt gibt es dafür keinen Platz und kein Verständnis. Und so ist er jeden Tag 13 Stunden aus dem Haus, hat so wenig von seinen Kindern. Ist hundemüde und hungrig wie ein Wolf. 

Und so sind wir dann beim Klassiker gelandet, er arbeitet Lohnabhängig und die Betreuung der Portiönchen, so wie der Haushalt ist meins. Papa hilft wirklich viel, er räumt um 5 in der Früh den Geschirrspüler aus, oder kocht noch schnell was zu Mittag. Er nimmt seines mit, und unseres steht fertig auf dem Herd. Trotzdem, ist der Löwenanteil meiner, klar wir wollen die wenigen abendlichen Stunden oder das Wochenende doch nicht mit putzen verbringen. Also, gehorchen wir nun der Logik und den finanziellen Gegebenheiten oder haben wir, wegen typischer Rollenbilder, eine andere Lösung überhaupt nicht angedacht. 

Ab Ende des Jahres, werde ich wieder arbeiten gehen. Erst kurz Teilzeit, dann Vollzeit. Und Papa wird ab 13 Uhr die Portiönchen haben. [….] Und den Haushalt. Ich versuch mir einzureden, er schafft das. Er kann kochen und putzen, er ist ein fast überführsorglicher Daddy und meine Eltern sind auch im Haus. Allerdings, das organisieren. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, er schafft das wahrscheinlich auch, nur mein besorgtes Mamakopfkino dreht einen Endzeitfilm. Und das ist, denke ich, der springende Punkt, warum selbst in modernen, eigentlich gleichberechtigten Partnerschaften auf einmal mehr Haus-und  Sorgearbeit an uns Frauen hängt. Wir reißen sie an uns, weil wir im Hinterkopf denken, daß er es nicht schnell genug, gut genug, gründlich genug und halt nicht so wie wir selbst macht. Das ist eine selbst gestellte Falle. Weil wahrscheinlich macht er es gut, nur halt anders. 

Was ist also selbstverschuldet oder zumindest geduldet, was ist gesellschaftlich und was ist vielleicht auch Biologie. 

Ich antworte auf die Frage ob ich emanzipiert bin mit ja, ob ich eine Feministin bin, ich glaube nicht. Definitiv glaube ich an die Evolution und damit halt auch daran, das wir von der Natur mit der dem Mutterinstinkt und der Fürsorge ausgestattet wurden. Wie so ziemlich jedes weibliche Säugetier. Nur was bedeuten biologische Tatsachen für die Gesellschaft und die Solidargemeinschaft. Jetzt wirds tricky. Den wir wollen ja den besonderen Schutz für junge Mädchen, Schwangere, Gebärende und frische Mütter. Und häufig fordern Frauen ja dann auch noch Verständniss für ihren Hormonzyklus. Andererseits wollen wir als genauso stark, knallhart und belastbar wie Männer wahrgenommen werden. Und ein Mann der depressive Verstimmung oder Schwäche zugibt oder seine Familienzeit einfordert, wird schnell als Schwächling oder Weichei dargestellt. Während die ganz Harten bei der Blutabnahme aus den Latschen kippen und an der Männergrippe sterben. 

Bin ich jetzt, weil ich gern rosa mag, gern für meine Familie koche, die Babyzeit mit meinen Kindern verbringen wollte, meine Wohnung in eine Puppenstube verwandle oder meinen Garten in ein kleines Paradies, kein ernst zu nehmender Teilnehmer im Beruf mehr? Bin ich ein Heimchen, nur weil ich das halt auch will. Oder bin ich unweiblich, weil ich lieber schraube als Fingernägel lackiere. Ist ein Mann, der florale Muster mag, unmännlich vielleicht schwul oder gar impotent? 

Mal ganz ehrlich? Wir beklagen uns darüber, daß wir nicht gleichgestellt sind und übersehen ganz, das junge Männer auch in ein Rollenbild gepresst werden. Und wenn sie dem nicht entsprechen, geht es ihnen vielleicht noch schlechter als uns Frauen. Den sie erleiden dann eine richtige Identitätskrise. Während wir uns mit gleichgesinnten Frauen zusammen tun. Mal angenommen du bringst dein Auto in die Werkstatt, und es kommt dir ein Mechaniker entgegen, der unter der Arbeitslatzhose ein blumenmuster Shirt trägt, vielleicht noch eine auffällige Frisur hat oder mehr Schmuck trägt. Was denkst du dann? Sicher nicht, „ah da kommt der Meister“ (nicht schummeln, ehrliche Selbsterkenntnis). Und das ist genauso unfair, wie einer topgestylen Blondiene mit High heels berufliche Kompetenz oder Intelligenz abzusprechen. Eines hat mit dem anderen nämlich nicht zwingend was zu tun. Nicht jede, die von den Eltern Jaqueline getauft wird, ist hinterher ein Kandidat für RTL2. 

So lange wir es nicht schaffen unseren eigenen Kopf zu kontrollieren, und diese Rollenbilder zu töten, werden wir die Gesellschaftliche Wende nicht schaffen. Warum soll eine Vorstandsvorsitzende nicht im rosa Sommerkleid dasitzen. Hängt das Kleid an ihrer Großhirnrinde? Warum kann eine Frau nicht 6 Jahre Vollzeitmutti sein und dann, mit Schulbeginn, wieder eine Managerin. Warum kann die begeisterte Freizeitköchin nicht morgens Börsenbroker oder Physikprofessorin sein. Warum muss ein Computerspezialist den wie ein Nerd aussehen,  um glaubwürdig zu sein. 

Wir haben es geschafft, wenn jeder so sein kann wie er sich fühlt und trotzdem seinen Beruf ohne Benachteiligung ausüben kann. Wenn du als Managerin nicht im Männeranzug ins Büro musst, härter sein als jeder Mann und in der Pause Managermagazine lesen, die Muffins für die Kinder abends dann heimlich backst und behauptest sie seien gekauft. 

Wenn wir nichtmehr über die Frisur oder die Abendrobe von Frau Merkel diskutieren, dann wieder über ihre angebliche Unweiblichkeit. Und im Gegensatz dazu wieder, über die zu kurze Rocklänge einer anderen Politikerin. Als hätte das irgendeinen Einfluss auf ihre politische Kompetenz. 

Wenn eine Frau im Lieblingskleid trotzdem Bankmanagerin sein kann, oder im Blaumann Mechatroniker werden und trotzdem als als normale Frau angesehen wird, dann haben wir es geschafft. Wenn ein junger Mann, sich ein verspieltes Hemd anziehen kann und trotzdem Stahlbauschlosser sein kann, oder ein knallharter, von Kopf bis Fuss tätowieren Rocker als Krankenpfleger arbeiten. Weil all diese Dinge nichts über die Fähigkeiten eines Menschen aussagen, nur etwas über seinen Geschmack. Es sagt noch noch nichtmal was über den Charakter, nicht jeder in Flauschjacke hat auch einen flauschigen Charakter. Und viele optisch knallharte, große Männer sind sanfte und führsorgliche Charakter, manche sogar Angsthasen. 

Erst wenn wir gelernt haben den Menschen zusehen, und nicht das Klischee, dann werden wir Lösungen für die Arbeitswelt, den Familienalltag und die Gesellschaft finden. Erst wenn wir nichtmehr unbedingt in Schubladen sortieren müssen. 

Weil eigentlich will ich ja nicht meine Wünsche aufgeben müssen, um das Bild der modernen Frau abzugeben. Und vielleicht liegt die Lösung auch, in einem Abwenden von dieser leistungsorientierten Konsumgesellschaft. So das es erstens für alle reicht, und wir ein bisschen entspannter wir selbst sein können. 

So, bevor mein Kopf jetzt noch ein paar Abschnitte ausspuckt, mach ich Schluss und geh schlafen, zu meinen Portiönchen ins Familienbett. Bei dem Thema hab ich echt ein Gedankenkarussell.
Alles Liebe

Mama Doppelte Portion 

Schwer wichtige Sache !!!!


Leider gibts hier gerade nicht so viel, da ich schwer beschäftigt bin.
Erstens ist es endlich Sommer und die Portiönchen müssen an den See. 

Zweitens hat’s Papa Doppelte Portion im Kreuz und absolviert einen Ärztemarathon.

Drittens – und ganz wichtig – hab ich bzw. wir ein neues Projekt. 

Wir helfen einer Schule an der Elfenbeinküste mit Material und einem Auto für eine fahrende Bibliothek. Und weil wir alle so begeistert sind, von diesen so engagierten Lehrern, möchten wir einen Verein gründen und dann weiteren Schulen helfen.

Mehr Infos gibt es auf der FB Seite, mal ansehen und vielleicht helfen. 

https://www.facebook.com/Hand-in-Hand-Bildung-in-Afrika-1391151817668669/

Hilfe in fast eigener Sache


Ich möchte hier ganz kurz eine Anfrage stellen. Wer kennt sich den mit Crowdfunding für soziale Projekte aus?

Eine Gruppe, der ich angehöre, möchte gerne schulische Hilfmittel an die Elfenbeinküste schicken. Für einen Deutschclub an einer Schule. Und wenn möglich noch für eine fahrende Bibliothek. Mit Sachen nach Afrika schicken, kennt sich Papa Doppelte Portion aus. Jetzt muss es noch finanziert werden. 

Wer kennt sich den aus. Kommentiert oder schreibt mir doch bitte. 

Danke im Vorraus 

Mama Doppelte Portion 

Doppelt aufgepustete Backen 😤


Heute bin ich mal wieder durch den deutschen Behörden Dschungel gestolpert. Und jetzt brauch ich ein Beruhigungmittel.

Tata, es ist Mai. Höchste Eisenbahn für die Steuererklärung. 

Und, voll motiviert mit Karacho ins Stimmungstief. Man downloade das neue Elster und stelle fest – unsere Familienkonstellation ist voll scheiße. Tolles Kinderfreundliches Deutschland. 

Wir sind ja nicht verheiratet, somit arbeit Papa Doppelte Portion auf Steuerklasse 1, obwohl er momentan unser Alleinverdiener ist. Und ich werde auch mit Steuerklasse 1 versteuert. Von wegen Elterngeld bzw. Mutterschutzgeld ist steuerfrei. Meine Schichtzulagen, die sind wirklich steuerfrei. Die laufen nämlich nicht ins Jahreseinkommen mit rein. Tja, das Elterngeld schon. Und da ich nicht so schlecht verdiene, folglich das Elterngeld auch ok ist, zack kalte Progrssionsstufe – saftige Nachzahlung. Papa verdient nicht so dolle, aber zusammenveranlagen geht nicht. Die Ehe ähnliche Gemeinschaft, die gibts nämlich nur um ihm jegliche Hilfe zu verweigern. Da werd ich auf einmal eingerechnet. Aber Steuersatz für Familie, Familienversicherung o.ä. das bekommen wir  nicht. Dabei sind wir genau das – Familie. 

Meinte die Dame vom Finanzamt doch zu mir, mit politischen Diskussionen sind sie bei mir an der falschen Adresse (ok, ja zugegeben). Haben sie den Unterhalt vom Kindsvater angegeben? Hallo? Kein Unterhalt, weil als Familie zusammenlebend. Nix alleinerziehend. Nur alleinversteuert. Meint sie dann: “ Na, dann heiraten sie doch.“

Mußte auflegen, sonst hätte ich die nächste Diskussion gestartet. 

Warum ist Heiraten so ein Wunder Punkt. Nun, ich bin schon mal geschieden. Und dabei über so manche Hürde gestolpert. Erstens verzog der Ex ständig und das Gericht ist für die Adressklärung nicht zuständig. Und die Rentenklärung dauerte ewig, da er einfach alle Fristen verstreichen ließ. Und zu guter Letzt, bekommt er jetzt später 87€ von meiner Rente, jeden Monat. Das will er eigentlich nicht, kann es aber nicht ablehnen. Und das Gericht hebt den Versorgungsausgleich nicht auf, weil er hätte ja versucht zu arbeiten. Die Betonung liegt auf versucht 😤.

Man kann sich vorstellen, daß ich nicht so erpicht darauf bin, nochmal zu heiraten. Das ist unfair gegenüber Papa Doppelte Portion, ich weiß. Und die Beziehung ist auch intakt. Aber …. ich hab schmerzhaft gelernt, das man in den Kopf des Anderen nicht rein sehen kann. Und nochmal ein Risiko eingehen, mit jemanden der kaum Rentenanspruch in Deutschland hat ….. Da muss sich Papa Doppelte Portion ein paar gute Argumente einfallen lassen. Oder die Zeit heilt Wunden und bringt Risikobereitschaft. 

Apropos Papa. Bei dem hat der „wiehernde Amtsschimmel“ auch mal wieder zugeschlagen. Ganz guter Daddy, hat er zwei Sparverträge für die Portiönchen angelegt.                                                    Kommt da nicht ein Brief, das der Vertragsanbieter bitte eine Steuerniederlassungsbescheinigung oder den letzten Steuerbescheid braucht, sonst müsse er beim Finanzamt Anzeige machen. Häää? Was ist den das wieder? Also, den Anbieter angerufen. Die nette Dame erklärt, das zwischen USA und mehrern Europäischen Ländern ein Vertrag gegen Steuerhinterziehungen besteht. Schööööön, und? Papa Doppelte Portion hat vorher im Italien gelebt und gearbeitet, aber woher wissen die das? Ah, die Passkopie. Der nigerianische Pass wurde von der nigerianischen Botschaft in Rom ausgestellt. Das kommt denen also verdächtig vor. Ok, von uns aus. Woher bekommt man den Wisch? Finanzamt. 

Schöööön, die kann ich ja gerade so gut leiden. Fix den Bearbeiter für Auslandsangelegnheiten angerufen. „Für was brauchen sie das?“ Ganzer Hergang geschildert. Meint der Herr, daß diese Bestätigung eigentlich für ausländische Banken gedacht ist, wenn das Geld bereits im Deutschland versteuert wurde. Er fragt, ungefähr zehn mal, welches Geld wir im Ausland hätten (guter Witz). Dann teilt er mir mit, daß, sollte ich diese Bestätigung beantragen, Ermittlungen gegen Papa anlaufen, ob er irgendwo Geld bunkert. Und da ich das Formular nicht komplett ausfüllen könne, weil kein Geld im Ausland, würde mir die Bestätigung eh verweigert. Überhaupt hätte er noch nie gehört, das Banken/Versicherungen so etwas benötigen. Ich solle einfach die Zahlen im Lohnsteuerbescheid schwärzen und den schicken. Sehr ihr auch die unglaubliche Ästhetik der Unlogik unseres Systems. 

Fazit:  Wenn bescheißen, dann mit mindestens 1er Million. Denn die werden so oft übersehen. Der kleine Mann wird wegen 50€ geprüft, bis der Amtsschimmel sich in den eigenen Schwanz beißen kann. 

Ich war ja schon immer der Meinung, daß es in Deutschland tausende Baustellen gibt, an denen sich eine Partei/ ein Kanzlerkandidat profilieren könnte, ohne das man was künstlich pushen oder hochstilisieren muss. Bei Ideenmangel, ich hätte da eine lange Liste. Und sie wird kontinuierlich länger. Und anscheinend will keiner die heißen Eisen, wie Steuerreform, Bürgerversicherung, Korrektur Hartz, wirklich anfassen. Wenn selbst der „bürgernahe“ „Einer-wie-wir“ Kanzlerkanditat der SPD, sich nicht ran traut, dann braucht man sich nicht wundern wenn der Schulz-Effekt im Sand verläuft und die AfD Protestwähler sammelt. 

Trotzdem, man macht nicht den Bock zum Gärtner.

Baut keinen Scheiß bei der nächsten Wahl und geht als gute Demokraten auch hin

Gruß 

Mama Doppelte Portion